Osterbotschaft S. Em. Erzbischof Gabriel von Komana

Liebe Brüder und Schwestern!

Christus ist auferstanden!

Ich freue mich, Euch diesen freudigen Gruß zurufen zu können, welchen wir seit alter Zeit an diesem herrlichen und leuchtenden Osterfest austauschen!

Ja! Der Herr sei unsere Freude! Die Freude durchdringe unsere Herzen und unser ganzes Sein, wenn wir verstehen, dass wir nicht mehr von unseren Sünden gefesselt sind und die Qualen des Todes vernichtet wurden.

Wir benötigen eine Auferstehung, so voller Kraft und Hoffnungszeichen, wie die Auferstehung, welche den Jüngern am dritten Tag gegeben wurde, auf dass all die falschen Ideen, die wir über das Leiden und das Kreuz haben, korrigiert werden; auf dass die Auferstehung eine Quelle des Glaubens werde. Denn nur in der Auferstehung können wir verstehen, warum dass Kreuz Christi uns Vergebung der Sünden bringt und, mehr noch, wir können in ihr mit Freude selbst die Leiden dieses Kreuzes ertragen. Auf diese Weise ist das Leiden nicht mehr Leiden, sondern Teilnahme an der Verherrlichung wie es bereits der Heilige Apostel Paulus sagte: „Wir leiden mit Ihm, damit wir auch mit Ihm verherrlicht werden.“ (Röm 8,17)

Liebe Brüder und Schwestern, wir alle lieben die Freiheit. Wir spüren an uns selbst wie wichtig sie in unseren Leben ist. Nun, Christus gibt uns diese Möglichkeit, unsere Freiheit auszuleben. Aus Liebe ließ er sich ans Kreuz schlagen und zu Grabe tragen. Lasst uns das richitig verstehen! Es handelt sich hier um viel mehr, als Sühne, dies ist die Erfüllung der gesamten Heilsökonomie. Die heiligen Väter sagen uns: Das Mysterium der Menschwerdung endet nicht mit der sühnenden Kreuzigung und dem Freikauf durch das Blut, denn Christus musste bis in die Tiefen der Hölle hinabsteigen, um vom „Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8,2) die Söhne Adams zu befreien, welche sich in „Finsternis und Todesschatten“ (Lk 1,79) befanden. So macht Christus, der neue Adam, der Bezwinger des Todes aus uns neue Menschen, er gibt uns aufs Neue die Möglichkeit, Gott kennenzulernen und zu lieben, durch ihn wiederaufzuleben und gerettet zu werden: „Das Wort ist Mensch geworden, auf dass wir Gott werden können!“ ( Hl. Athanasius der Große)

Aber, liebe Brüder und Schwestern, wir dürfen uns nicht mit einem freudigen Fest zufrieden geben, dass vergehen wird; wir müssen diese Mysterium der Auferstehung leben! Wir müssen schon heute in unser ganzes Leben und unser ganzes Sein diesen freudigen Aufruf integrieren, denn wir heute austauschen: „Christus ist auferstanden!“ Wir müssen glauben und dann konsequent handeln, denn der Heilige Apostel Paulus sagt uns: „ Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist euer Glauben sinnlos und ihr seid noch immer in Sünde!“ (1 Kor 15,17)

Also, was tun? Wir haben viele Möglichkeiten, unsere Verbindung mit Gott zu konkretisieren. Erinnert euch an den Hohen und Heiligen Donnerstag: An diesem Tag hat Christus seinen Aposteln erklärt, was sich in den nächsten Tagen ereignen würde, aber er gab sich nicht mit einer theoretischen Erklärung zufrieden. Er bot ihnen an, noch bevor seine Stunde gekommen war, in völliger Einheit mit Ihm zu sein, was bereits die Errettung bedeutet. Er gab ihnen seinen kostbaren Leib und sein kostbares Blut. Während des letzten Abendmahls ist Christus zugleich geopfert und auferstanden, tot und lebendig! Erinnert euch, das sind seine eigenen Worte: „Dies ist mein Leib, der für euch gebrochen wird, dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird!“ Selbstverständlich konnte der Herr diese Worte nicht sprechen, ohne sicher zu wissen, was später geschehen würde. Wir sprechen hier nicht von irgendeiner Mythologie, sondern von der konkreten Realität der Auferstehung: Jedes Mal, wenn wir uns dem heiligen Kelch nähern und von seinem kostbaren Inhalt kosten, entledigen wir uns der Sünde und kleiden uns mit der überwältigenden Schönheit Christ. Ein solches Mysterium wurde ermöglicht durch die große Barmherzigkeit Gottes und seiner unaussprechlichen Liebe für die Menschen!

Dies ist ohne Zweifel die wunderbarste Folge des Todes und der Auferstehung unseres Herrn und Retters Jesus Christus. Da alle anderen Sakramente mit der göttlichen Eucharistie verbunden sind, profitieren wir von den rettenden Früchten dieses schönen Festes, welches wir heute feiern, wenn wir uns dem Heiligen Kelch nähern und an den Heiligen Gaben teilnehmen. Zögern wir nicht! Schöpfen wir aus der Quelle des Heils, trinken wir aus dem Kelch der göttlichen Liebe und leben wir dieses neue Leben, das uns zuteil wurde. Aber es reicht nicht, Konsument zu sein, es ist nicht richtig, uns nur an der Barmherzigkeit Gottes zu bereichern. Das, was uns gegeben wird, die Liebe Gottes, ist das Wesen Gottes. Denn in Gott wird die Liebe ununterbrochen zwischen den drei Göttlichen Personen geteilt. Da wir durch die Auferstehung vergöttlicht wurden, lasst uns logisch sein und diese Liebe teilen, die wir umsonst empfangen haben ... Sicher, das ist nicht immer leicht, aber wir sind hier auf Erden, um von unserem Herrn und Meister, Jesus Christus zu lernen. Wir wollen Ihn bitten: „Herr, lehre mich zu lieben! Lehre mich in der Auferstehung zu leben! Richte mich auf in deinem Licht, mit allen meinen Brüdern und lass mich ohne Unterbrechung singen: Christus ist erstanden von den Tote, durch den Tod hat er denn Tod überwunden und denen in den Gräbern das Leben gebracht!“

Mit diesem Ausruf voller Freunde und Hoffnung sende ich euch meine Liebe.

Paris, Kathedrale des Hl. Alexander Nevsky
Ostern 2010

+ Erzbischof Gabriel von Komana
Exarch des Ökumenischen Patriarchen

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