Osterbotschaft. Em. Erzbischof Gabriel von Komana

Exarch des Ökumenischen Patriarchen

„Wenn du die Gabe Gottes kennen würdest...“ (Joh 4,10)

Liebe Brüder und Schwestern!

Christus ist auferstanden!

Mit großer Freude wende ich mich an Euch an diesem abendlosen Tag, an diesem Fest ohne Ende, in dieser neuen Zeit, die die alte Welt durchdringt, in diesem gesegneten Moment der Ewigkeit in dem uns Christus mit Adam und Eva aus dem Grabe emporhebt in das süße und göttliche Licht seiner Auferstehung, wie wir es auf der Ikone des Abstiegs in die Hölle sehen können!

Was uns die Ikone des Abstiegs in die Hölle zeigt ist wunderbar! Was können wir sehen? Der Herr beugt sich hinab auf der Suche nach Adam, dem verlorenen Schaf. Seine Suche tröstet uns, beruhigt uns, gibt uns Kraft, denn der Herr wendet sich an uns, auch uns sucht er. Im Paradies suchte Gott Adam, der sich nach dem Sündenfall versteckte und rief: „Wo bist du, Adam?“ Heute tut er mehr als zu rufen; der Mensch gewordene, gekreuzigte, auferstandene Gott steigt hinab ins tiefste Elend der Menschen, in unser Elend, um uns zu sagen: „Gib mir deine Hand, damit ich dich aufrichte!“ Dies bietet er jedem Menschen an, egal wie tief der Abgrund seiner Armut auch sei.

Was sehen wir noch auf der Osterikone? Wir sehen den Abstieg Jesu in unser eigenes Herz. Dort erwartet er uns, dort bietet er uns seine Barmherzigkeit an. Der Herr kennt unsere Bedrängnis, er weiß wo wir uns im Elend unserer Schwäche verstecken, dort wo wir manchmal so tun, als wären wir gar nicht da, um so das Elend nicht anerkennen zu müssen, in dem wir uns wegen unserer Sünden befinden. Ja, Brüder und Schwestern, hierher kommt Christus! Er bietet sich uns an er beugt sich zu uns herab. Er zieht uns an, er will, dass wir von seiner unendlichen Liebe zu uns ergriffen sind. Aber um das zu ermöglichen - denn wir sind frei - müssen wir unsere Hand nach ihm ausstrecken, wie er seine Hand nach uns ausstreckt. Unser ganzes Wesen muss sich nach ihm ausstrecken. Aber Achtung, unser ganzes Wesen, so wie es ist; verloren durch seine Schwäche und seine Armut, verletzt durch seine Sündhaftigkeit. So können wir rufen: „Ich bin ein verlorenes Schaf, Herr rufe mich und errette mich!“ (Ritus der Verstorbenen)

An den Tagen, die Ostern vorausgingen, haben wir die Passion Christi erlebt und heute sehen wir einen „passionierten“ Christus. Liebe Brüder und Schwestern, es handelt sich hier nicht um ein einfaches Wortspiel, wir sind mitten in der Realität unserer Errettung: So lange wir nicht ergriffen wurden von der Passion unseres Erretters für jeden von uns, so lange wir uns nicht von ihm gesucht und geliebt fühlen, sind wir erloschene Wesen. Lasst uns im Gegenteil feurige Wesen sein, wie der Psalmist sagt: „Deine Diener machst du zu Feuersflammen“ (Ps 103,4) Lassen wir uns von diesem wunderbaren Licht der Auferstehung leiten und treten wir voll Feuer und Vertrauen in die Liebe Gottes ein!

„Friede allen“, spricht der Herr zu seinen Aposteln am Osterabend (Joh 20,19). Empfangen wir diesen Frieden, Folge der unendlichen Liebe Gottes zu uns allen und lasst uns selbst zu Arbeiter des Friedens werden. Lasst uns den rechten Weg wählen, lassen wir uns von der Liebe Christi ergreifen, lassen wir uns von seinem Mitleid durchdringen, lassen wir uns aus unserem Grab befreien!

Der Herr ist Leben und er sagt uns heute: „Ich bin dein Leben!“ Wenn wir verzweifelt sind sagt er uns: „Ich bin deine Hoffnung!“ Er gibt uns wieder Freude. Lassen wir ihn in unsere zerbrochenen Herzen eindringen, lassen wir ihn die Tore unserer Hölle einreißen. Ja wahrhaftig, „durch den Tod hat er den Tod überwunden und denen in den Gräbern das Leben geschenkt.“ (Ostertropar)

Geliebte Brüder und Schwestern, in der Liebe, die ich euch entgegen bringe, bitte ich euch „All das“ in euren Herzen zu bewahren, es zu leben und es mit allen Menschen dieser Welt zu teilen. Der Segen unseres Auferstandenen Herrn sei mit euch!

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Paris, 11./24. April 2011 Kathedrale des Hl Alexander Nevsky, Paris

+ Erzbischof Gabriel von Komana Exarch des Ökumenischen Patriarchen

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