Weihnachtsbotschaft S. Em. des Erzbischofs Gabriel von Komana

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Icône de la Nativité du Christ
Icône peinte par Marie-Reine Hugot, responsable de l’Atelier Sainte Théodora

An diesem Tag der Geburt unseres Herrn hat "die Sonne der Gerechtigkeit die Tochter der Finsternis geheiratet." (Syrische Liturgie)

Seht, es zeigt sich die Morgenröte nach einer dunklen Nacht und Christus erleuchtet die ganze Schöpfung deren Schönheit durch unsere Schuld verdunkelt wurde. Wie damals die Schäfer freuen wir uns heute, weil wir die Engel auch uns verkünden hören: "Ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt!" Dieser Sohn, dieses Kind ist Gott selbst, der zu uns kommt und dafür unser Fleisch annimmt.

Dank des von Gott Innig Geliebten, der auf die Erde kommt, sind wir nicht mehr allein in der Kälte dieser Welt "in der diejenigen, die kein Brot haben, leben wollen und diejenigen, die Brot haben, nicht wissen, warum sie leben." (Predigten - Jean Corbon)

Ja, unsere Welt ist kalt! Sie will sich erwärmen an bedeutungsloser und nutzloser Wärme. Sie will in Freuden leben, jedoch entdeckt sie, wenn auch spät, die traurige Sinnlosigkeit und schläft wieder ein, auf sich selbst zusammengeschrumpft. Dabei vergisst sie die Hoffnung, die an ihrem Herzen anklopft! Diese Welt ist unsere Welt: Die Welt in der wir leben, jeden Tag den Gott uns schenkt; in der die Menschen bereit sind, einander zu hassen und zu töten, in der derjenige, der alles besitzt ohne Mitleid und ohne schlechtes Gewissen an dem vorbei geht, der nichts hat... in der der Bruder seinen Bruder bestiehlt für den "Ruhm", reich zu sein, um ein paar Mauern zu besitzen, von denen am Ende der Welt nichts mehr übrig ist...

"Friede auf Erden unter den Menschen sein Wohlgefallen!" Was machen wir als Christen aus dieser von den Engeln verkündeten Botschaft? Die Geburt Christi ist der Moment für uns, unsere Herzen aufzuwecken, aus unserer Routine herauszutreten, selbst wenn sie fromm ist! Es ist die Zeit, die Hoffnung zu wecken, sie zu teilen und unsere Brüder davon leben zu lassen: Wie die Schäfer müssen auch wir eilig allen verkünden, dass sich mit Gott alles ändern kann, dass alles gerettet werden kann!

Diese Hoffnung und die Freude, die sich daraus ergibt, müssen von uns ausstrahlen! Wenn jeder von uns ein Zeichen gäbe - ein echtes! - welches den Frieden bringt - den echten! - den Frieden den die Welt nicht bringen kann... Wenn jeder seinem Bruder, der danach hungert, ein Lächeln schenken würde... Wenn jeder seine kühle Hand auf die fiebernde Stirn des Unterdrückers legen würde... Wenn die Liebe in uns fließen würde wie ein glänzender Strom, der die Wunden säubert... Wenn die Vergebung sich erheben würde über die Wut und den Hass, der hervorgerufen wird durch diejenigen, die sich Brüder nennen sollten...

Wir müssen uns verantwortlich fühlen für das Geschenk Gottes an dem Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus, welche sich heute erneuert. Wir sind ontologisch mit all unseren Brüdern und Schwestern verbunden, denn der Herr hat uns "nach seinem Bilde geschaffen, ihm ähnlich", wer auch immer wir sind. Es bleibt immer ein bisschen von der primitiven Schönheit, die Gott uns geschenkt hat!

Weihnachten ist die Entzückung die Christus bei den Schäfern wie bei den Weisen hervorruft. Weihnachten ist das Erstarren vor der strahlenden Schönheit der Ikone der Geburt! Weihnachten ist die Freude der Kinder, der Väter und der Mütter! Aber Weihnachten ist auch die Trauer darüber, verlassen zu sein, vergessen... Es ist auch die Kälte und der Hunger, die den Körper auszehren... Es ist auch die entstellte Menschheit, die nicht mehr lieben kann... Aber Weihnachten ist vor allem der Vater der uns seinen geliebten Sohn schenkt! Und dieser Sohn, das Wort Gottes wird Mensch, damit der Mensch Gott werde (Hl Athanasius von Alexandria). Und um das zu erreichen, wird er uns ähnlich in allem außer in der Sünde; und trotzdem erträgt er ihre Folgen, bis hin zum Tod am Kreuz, damit er uns besser von der Sünde und vom Tod befreien kann.

Wie also sollen wir Weihnachten leben? Wir wollen hartnäckig sein und doch bereit, die Liebe Gottes zu empfangen! Hartnäckig, jedoch auch fähig, die Augen zu öffnen für den Menschen der häufig unschuldig leidet. Wir wollen hartnäckig lieben!

Die Grotte von Bethlehem gibt uns Hoffnung: "Hoffe auf Gott! Sei tapferen Mutes, sei stark und hoffe auf Gott!" (Ps 26,14). Mit großer Liebe wünsche ich euch, liebe Brüder und Schwestern, ein frohes Fest der Geburt Christi.

Der Herr Jesus Christus, dessen Geburt im Fleische wir heute feiern möge unser aller Freude sein und auf uns herabgießen die Gnade seiner Errettung. Amen

Paris, Kathedrale des Heiligen Alexanders Nevsky
Weihnachten 2011

+ Erzbischof Gabriel von Komana
Exarch des Ökumenischen Patriarchen

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