Allemand

Vater Boris, Seelsorger in der „Krypta“

Verfasst von Danièle Gousseff

Vater Boris war vierzig Jahre lang (1968-2009) Rektor der Gemeinde zur Hl. Dreieinheit, bekannt eher unter dem Namen „Gemeinde der Krypta“, da sie beheimatet ist in der Krypta der Alexander-Newski- Kathedrale (Paris), in der sich der zweite Altar befindet, der der Hl. Dreieinheit geweiht ist. Diese Gemeinde war bei der Ankunft von Vater Boris nur eine kleine französischsprachige Gruppe, die darüberhinaus auch noch traumatisiert war infolge des tragischen Todes ihres Gründers, Vater Pierre Struve, der sie vier Jahre zuvor ins Leben gerufen hatte. Vater Boris sah es als seine Aufgabe an, diese Gemeinde wieder auf die Füße zu stellen, für ihre Entwicklung zu sorgen und sie wachsen zu lassen, ganz im Geist von Vater Pierre : durch eine liturgische Erneuerung im Geist des Konzils von Moskau von 1917, mit Beteiligung der Gläubigen.

Alles war aufzubauen, zu organisieren, zu erneuern : der Gesang und die Übersetzung der Texte ins Französische, die Kinder- und Erwachsenenkatechese, das Mitteilungsblatt - „le Bulletin“, das über das Leben der Gemeinde berichtet und das zu einer wichtigen Informations- und Reflexionsquelle werden sollte. Schließlich waren da noch die verschiedenen Dienste, die auszubauen waren und die zu einer gesunden Ausgewogenheit beitrugen. Natürlich hat Vater Boris diese Arbeit nicht alleine getragen. Zu nennen sind vor allem Vater Alexander Nelidov, Vater Pierre Tchesnakoff, dann Vater René Dorenlot, der immer noch da ist, und verschiedene andere Kleriker und Laien, die ihm zugearbeitet haben. Doch Vater Boris hat gleichzeitig den Wunsch größer werden und die Energie wachsen lassen, dass alles Stück für Stück vorangetrieben und erneuert wurde. Auf der geistlichen Ebene wurde er nicht müde, die Gläubigen zu stärken : zuallererst durch seine einnehmenden Homilien, die man nicht vergessen kann, dann durch seine Ausführungen während der Erwachsenenkatechese und durch seine Ratschläge und Ermahnungen, wann immer sie nötig waren.

Im Februar 1973 fasste Erzbischof Georges von Syrakus (Tarassov) die Entscheidung, die Gemeinschaft (communauté) als Pfarrgemeinde mit einem eigenen Status zu errichten, zur großen Freude all jener, die dieses Ereignis gleichsam als Anerkennung erfahren durften. Durch das Charisma von Vater Boris und die Lebendigkeit der Gemeinde bekam die Krypta-Pfarrei eine große Ausstrahlung, die immer mehr Menschen anzog. Die „Krypta“ wurde dadurch zu einem Ort des Austauschs und der Begegnung. Natürlich gab es auch Fluktuationen, wie überall dort, wo es lebendig ist.

Im Nachhinein entsteht ein geschichtlicher Abriss, bei dem Vater Boris die zentrale Figur ist, als begnadeter Liturge durch seine Präsenz, durch sein Wort und als respektierter und geliebte Geistlicher, der er war.

Vater Boris, Initiator von „La Voix de l’Orthodoxie“

Vater Boris war der erste Vorsitzende von „La Voix de l’Orthodoxie“ (französische Radiostation in russischer Sprache, die durch russische Emigranten gegründet wurde), als der Verein im Jahr 1979 begann, nach Rußland zu übertragen und sich in Paris niederließ. Später, im Jahr 1999, als „La Voix de l’Orthodoxie“ in Rußland offiziell anerkannt wurde und in Sankt Petersburg ein eigenes Studio eröffnete, kommentierte Vater Boris dieses Ereignis mit folgenden Worten : « Mit dem Hereinbrechen der postsowjetischen Ära in Rußland stehen Menschen auf, die uns nun ablösen und die unsere Arbeit fortsetzen. Ich möchte an dieser Stelle die Worte des hl. Johannes des Täufers in Erinnerung rufen : « Er soll wachsen, ich kleiner werden. » (vgl. Joh 3,30). Ich danke Gott, dass ich diese missionarische Arbeit von Beginn an mittragen durfte, dass ich dazu beitragen durfte, dass sie fortgesetzt werden kann, dass sie wachsen und reifen kann, und dass er mir erlaubt hat, die lebendige Verlängerung unserer Pariser Organisation sehen zu dürfen, die in einem Studio in Sankt Petersburg entsteht und die damit beginnt, ein Programm auszustrahlen. »

Vater Boris, Theologe am Institut Saint-Serge

Vater Boris Bobrinskoy, Professer und Dekan des orthodoxen Theologischen Instituts Saint-Serge in Paris, ist eingeschrieben in die große Tradition der russischen orthodoxen Theologen des 20. und 21. Jahrhunderts. Er entstammt einer Familie der russischen Emigration in den Jahren nach der bolschewistischen Revolution von 1917. Mehr als sechzig Jahre, von 1944 bis 2006, war Vater Boris Bobrinskoy erst Student, dann Professor am

Lehrstuhl für dogmatische Theologie des Instituts für orthodoxe Theologie Saint-Serge. Er war Mitglied der Kommission „Glauben und Kirchenverfassung“ des ökumenischen Rats der Kirchen und der französischen Kommission des katholisch-orthodoxen theologischen Dialogs.

Als Schüler dieses Instituts, als Doktor der Theologie, hat er den Gedanken der großen russischen Theologen weitergetragen, wie etwa eines Vater Serge Boulgakov, Vater Georges Florovsky, Vater Nicolas Afanassieff, Antoine Kartachev, Vater Cyprien Kern, Léon Zander, Vater Alexander Schmemann, Vater Jean Meyendorff und Vladimir Lossky. « Alle diese Persönlichkeiten », so pflegte er gerne zu sagen, « haben mich natürlich geprägt ».

Er ist Ehrendoktor der rumänischen Theologischen Fakultät von Cluj-Napoca, der Universität von Fribourg und der Instituts für orthodoxe Theologie Saint-Vladimir in New York in Anerkennung seines Beitrags zur zeitgenössischen Theologie.

Durch seine Lehre, seine Veröffentlichungen und seine pädagogische, theologische und geistliche Arbeit hat Vater Boris großen Anteil an der theologischen und pastoralen Heranbildung zahlreicher Studenten, die dann Mönche, Priester und Bischöfe in der ganzen Welt wurden. Siehe dazu eine umfassendere Biographie, die auf der Internetseite des Instituts für orthodoxe Theologie erscheinen wird. (auf : www.saint-serge.net)

Publikationen :

Communion du Saint-Esprit, Abbaye de Bellefontaine, 1992, Le Mystère de la Trinité, Cerf, 1996,

La Compassion du Père, Cerf, 2000,

La Vie liturgique, Cerf, 2000,

Le Mystère de l’Église, Cerf, 2003,

Je suis venu jeter le Feu sur la terre, recueil d’homélies, Cerf, 2003

Vater Boris, Vizepräsident des Rats der Erzdiözese

Im Jahr 1998 wird Vater Boris Mitglied des Rats der Erzdiözese der russischen Gemeinden in Westeuropa und zu dessen Vizepräsident gewählt.

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Am 18. Oktober 2009 feierte Vater Boris sein 50-jähriges Priesterjubiläum und ging in den Ruhestand. Erzbischof Gabriel von Komana verglich das pastorale Werk von Vater Boris mit dem der Väter Jean Meyendorff und Alexander Schmemann : « ... diese drei Personen, die geschrieben haben, die gelehrt haben, sie haben uns gleichsam eine reine Orthodoxie vermittelt. Wir sind Ihre Kinder, Vater Boris. Die beiden anderen sind schon zum Herrn vorausgegangen ; Sie weilen noch unter uns. Helfen Sie uns dabei, unseren Glauben weiterhin weitherzig und schöpferisch zu leben. Danke für Ihr Wirken - und beten Sie für uns, auf dass wir dieses Werk weiterführen können ! »

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Ewige Gedenken !

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